Archiv der Kategorie: anna ❤

das ist alles, was ich gut finde.

anna ❤ Mohrenkopf «Dubler»

Der Mohrenkopf – die politisch wohl unkorrekteste Süssigkeit. Der Name stammt aus der Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts. Damals wurden in Frankreich die ersten «Tête de nègre» gefertigt. Der Mohrenkopf ist der aufgesetzten Frisur afrikanischer Völker nachempfunden, wie sie z.B. auf der Korsischen Flagge zu sehen ist.

Da der seit über einem Jahrhundert verwendete Name gewissen Mohrenkopf-Produzenten im Zeitalter der political correctness wohl zu heikel wurde, begann man, für das süsse Gebäck etwas neutralere Bezeichnungen zu suchen. So wurde in Deutschland aus dem ehemaligen «Negerkuss» bald der «Schokokuss», in Frankreich der «Tête de nègre» zum «Tête au chocolat». In Bayern hingegen heisst das Ding komischerweise «Bumskuss», auch Bezeichnungen wie «Schaumzapfen» oder «Süsspfropfen» sind bekannt.

Wir Schweizer aber nennen die Süssigkeit bedenkenlos weiterhin «Mohrenkopf». Warum auch nicht? Tatsächlich gibt es heute sogar Mohrenköpfe mit weissem Schokoladen-Überzug, das wären dann sozusagen die Michael Jacksons der Mohrenköpfe.

Nach diesen etymologischen Ausführungen, will ich mich nun aber dem eigentlichen Produkt widmen, um das es hier geht, nämlich dem Original Schweizer Mohrenkopf von Dubler. Jeder kennt die knisternde, bronzefarbene Aluminiumverpackung mit dem nostalgisch anmutenden Dubler-Schriftzug dieses Ur-Mohrenkopfs. Sie erinnert uns an Kindergeburtstage, von denen man mit von Schokolade und Eiweissmasse verschmierten Fingern und Mündern nach Hause kam. Und noch heute weckt der Anblick eines Mohrenkopfs das Kind in uns, denn es ist einfach unmöglich, das Ding auf eine anständige, erwachsene Weise zu verspeisen. Wunderbar.

Dubler ist ein Kleinunternehmen mit Sitz im Kanton Aargau. (Eine Freundin von mir ist übrigens in einem Aargauer-Kaff namens Möriken aufgewachsen, dessen Wappen ein «Mohr» ziert. Ob der Dubler-Gründer von umherstreunenden Schwarzen mit wilden Afrofrisuren zu seinen Kreationen inspiriert wurde?) Seit 1947 produziert die Familie Dubler hier Mohrenköpfe. Während Mohrenkopf-Grossproduzenten mit der Grösse der Köpfe oder aromatisierter und farbiger Schaummasse experimentieren, bleibt sich der Dubler-Mohrenkopf seit Jahrzehnten selbst treu. Robert Dubler, der die Firma in zweiter Generation führt, setzt auf das Geheimrezept seines Vaters für die Füllung und auf beste dunkle Zartbitter-Schokolade für die Ummantelung derselben. Was in manchem anderen Fall den Ruin für ein Geschäft bedeuten könnte, hat sich bei Dubler bewährt: alles bleibt beim Alten. Und er hat recht: Warum etwas ändern, an dem es nichts zu verbessern gibt?

Ristorante Ponte dei Cavalli: now online!

Meine Tante hat zwar nach wie vor kein Internet, dafür aber jetzt eine schöne Homepage. Anschauen, hingehen, gut essen. www.pontedeicavalli.ch

Design: anna & catherine // Programmierung: feinheit gmbh

anna ❤ Amaretti al Kirsch / «Il Baretto»

Es gibt trockene Amaretti, die einem im Hals stecken bleiben. Es gibt zu süsse Amaretti und zu wenig süsse. Amaretti mit Schokolade, Amaretti mit Schnaps-Füllungen, kleine Amaretti, grosse Amaretti. Jede Konditorei, jedes Spezialitätengeschäft hat Amaretti im Angebot, denn diese sind ohne Frage Klassiker des italienischen Süssgebäcks. Das ist zwar toll, denn zumindest hat man keine Beschaffungsprobleme, doch schmecken all die vielen Amaretti auch? Natürlich nicht. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die Produkte, die am besten aussehen, nicht immer die besten sind: Die am schönsten verpackten Amaretti sind furztrocken, der Kauf lohnt sich ausschliesslich wegen des hübschen Papiers drumherum oder allenfalls um das Gebäck in zerbröselter Form für ein Dessert zu verwenden.

Auf der Suche nach dem besten Amaretto der Stadt wurde ich dank des Tipps eines Bekannten an einem Ort fündig, an dem ich nie einen solchen kulinarischen Geheimtipp erwartet hätte. Inmitten der Bahnhofshalle, auf der Höhe des Gleis 18 befindet sich das «Il Baretto» (bei einer früheren Beschreibung meinte jemand «ah, dieses Menschen-Terrarium?» Ja, genau das.), auf den ersten Blick ein Imbiss unter vielen. Jedenfalls erhält man im «Il Baretto» beinahe unvorstellbar leckere Amaretti: Die Dinger sehen aus wie kleine Ufos, eine Seite mit Schokolade überzogen, die andere ein klassisches, gutes feuchtes Amaretto. Seine Schokoladenseite offenbart das Gebäck auf seiner Schokoladenseite, denn diese ist gefüllt mit einer Kirschcrème, die besser nicht sein könnte, bestimmt sehr energiereich, nicht zu sehr nach Kirsch schmeckend, einfach himmlisch lecker. Dies scheint sich bereits herumgesprochen zu haben, denn seit ich die Amaretti das erste Mal gekostet habe, hat der Preis um satte 40% aufgeschlagen (wobei auch die aktuellen Fr. 1.40 immer noch sehr günstig sind).

Mehr als zwei Stück kann übrigens kein Mensch essen – nichtsdestotrotz wurde ich das letzte Mal, als ich für meine Arbeitskollegen zehn Amaretti als Mitbringsel kaufen wollte gefragt: «Zum hier essen oder Mitnehmen?»… (Seither frage ich mich, was diese Frage genau über mich aussagen könnte.)

Amaretti al Kirsch von «Il Baretto»
Bahnhofplatz, 8001 Zürich / Stück Fr. 1.40